Reisebudget


Kommen wir doch direkt ans Eingemachte. Die grosse Frage, die sich jeder vor einer Weltreise stellt und eine der Fragen, die uns sehr gerne gestellt wird ist: Wie finanziert man eigentlich eine solche Reise?

Meine Lieblings-Antwort darauf ist ganz einfach: Verkauf alles was du hast und du hast wahrscheinlich schon mehr Geld als wir. Klingt vielleicht doof, aber die meisten, die uns diese Frage stellen, besitzen ein Haus oder ein Auto oder teure Möbel, Elektroartikel oder sonst was. Wir hatten nichts dergleichen und doch haben wir aus unserem meist schon Secondhand- Haushalt noch 3'000 Fr. herausgeholt, indem wir alles verkauft haben. Alles zu verkaufen, was man hat, bedeutet aber auch los zu lassen und sich nicht an materiellen Dingen zu klammern und dies ist definitiv nicht einfach. Viele haben das Gefühl, mit ihrem Eigentum Sicherheit zu verlieren. Die absolute Freiheit einer Weltreise mit der kompletten Sicherheit Zuhause scheint möglich zu sein, aber ist es dann noch diese Freiheit, die wir suchen?

Die andere grosse Frage, die man sich stellen muss, ist: wie viel brauche ich eigentlich wirklich? Dies ist definitiv sehr unterschiedlich, hängt aber auch stark damit zusammen, in wie weit man die Komfortzone verlassen will. Bei dieser Frage geht es schon um die Vorbereitungen. Brauche ich die neuste Reiseenduro mit allem Schnick Schnack oder reicht vielleicht auch das Motorrad, das in der Garage steht? Welches Equipment brauche ich und wo lohnt es sich mehr Geld zu investieren und wo reicht auch mal etwas günstigeres, oder etwas, was ich schon habe? Wo möchte ich übernachten? Hotel, Zeltplatz oder Wildcampen? Wie viele Kilometer fahre ich pro Tag? (Dies ist ein sehr ausschlaggebender Punkt. Bei 400km pro Tag ist mein Monatsbudet um einiges grösser als bei 200km oder sogar 100km.) Und auch ein wichtiger Punkt ist das Essen. Möchte ich immer in Restaurants essen und brauche ich täglich ein Bier oder Wein oder koche ich gerne selber oder esse nur Fertigsuppen und Haferbrei?

Für uns war klar, dass wir kein Geld in neue Motorräder investieren möchten (sonst wären wir 1-2 Jahre später gestartet) und dass wir hauptsächlich mit dem gehen, was wir schon hatten. Ich muss zugeben, dass wir bei diesen Punkten einen grossen Vorteil hatten, da wir schon seit vielen Jahren immer mit unseren Motorrädern und Zelt reisen und dementsprechend schon sehr gut ausgerüstet waren. Einige Kleinigkeiten mussten wir uns aber dann doch noch obendrauf gönnen und auch das komplette Gepäcksystem haben wir überarbeitet, da unser altes für uns nicht 'weltreisetauglich' war. Für jemanden, der erst neu ins Motorradreisen einsteigt, ist dieser Punkt definitiv viel kostspieliger und ehrlich gesagt finde ich es ohne Erfahrung auch sehr schwer, sich für die 'richtigen' Dinge zu entscheiden. Für uns war immer klar, dass wir mit einem sehr kleinen Budget starten und wir auch effektiv nur das zur Verfügung haben. Es war es uns nicht wert, länger in der Schweiz zu bleiben, um noch mehr Geld zu haben. Falls uns das Geld aus geht, müssen wir arbeiten gehen, ganz einfach. Mit dem kleinen Reisebudget war für uns aber auch klar, dass wir wann immer möglich wild zelten. Wir sind beide absolut keine Fans von Hotels und Co und wir bevorzugen eigentlich immer unser Zelt. Geld für Campingplätze auszugeben macht für uns auch eher wenig Sinn, ausser wir wollen wiedermal richtig duschen oder länger an einem Ort bleiben. Ausserdem sind wir davon überzeugt, dass die Unterkunft der Punkt ist, bei dem man am meisten sparen kann. Wenn es um Restaurants geht, haben wir immer sehr wenig Glück. Wenn wir uns mal vornehmen, am Mittag essen zu gehen (abends können wir ja nicht, weil wir wild zelten), finden wir ganz sicher nichts und kochen am Ende doch etwas selber. Ausserdem kochen wir beide sehr gerne und geniessen es, über Märktezu schlendern und in Minishops einkaufen zu gehen. Auch bei den täglichen Kilometern sind wir eher sparsam. Nicht, weil wir das bewusst machen, sondern weil wir gerne gemütlich unterwegs sind. 400km am Tag auf der Hauptstrasse oder noch schlimmer Autobahn zu machen ist für uns eine Qual und nicht befriedigend. Wir bevorzugen kleine Nebenstrassen, gerne auch Schotter. Wenn wir einen schönen Ort finden, wird Pause gemacht, oder wir übernachten gleich.

Nun kommt noch der letzte Punkt: Ersatzteile und Unerwartetes. Unsere Erfahrung bis jetzt zeigt, dass bei uns eigentlich jeden Monat irgendetwas dazu kommt, was wir nicht unbedingt einkalkuliert haben. Da wieder ein neuer Reifen, da ein Ölwechsel (sind grundsätzlich einkalkulierbar, aber wir entscheiden uns meist spontan, weil es einfach in die Situation rein passt oder gemacht werden muss) oder eine Campingmatte, die ersetzt werden muss. Da der grösste Teil unseres Equipments schon einige Jahre alt ist, gibt es auch da immer wieder Dinge zu reparieren oder zu ersetzen. Auf all diese Dinge kann man sich schlecht vorbereiten, jedoch lohnt es sich, einen gewissen Spielraum im Budget einzuberechnen.

Je nach Land sind die Kosten natürlich extrem verschieden und nicht vergleichbar. Wenn man in eher teuren Ländern über dem Budget ist, spielt das eigentlich keine Rolle, solange man plant danach in günstigere Länder zu gehen.

So und jetzt kommt noch das, worauf viele gewartet haben: Wie viel Geld haben wir und brauchen wir jetzt effektiv. Bei uns sieht es so aus, dass jeder 30'000 Schweizer Franken für die Reise zur Verfügung hat. Also ein gemeinsames Reisebudget von 60'000 Franken. Wie lange das reichen soll, wissen wir nicht. Natürlich hat jeder noch eine kleine Notfallreserve oder Startkapital, falls wir wieder zurück in die Schweiz gehen. Ausgegeben haben wir inklusive Verschiffung und Krankenversicherung in einem Jahr um die 17'000 Franken. Dazu muss man aber sagen, dass wir 5 Monate freiwillige Arbeit geleistet haben und somit extrem geringe Ausgaben hatten und eigentlich nur in Italien und Chile unterwegs waren, was beide weltweit gesehen eher teure Länder sind. Auch waren wir wegen der Verschiffung und Corona nicht gerade viel unterwegs und sassen oft fest. Im nächsten Jahr wird sich hoffentlich einiges ändern und wir sind gespannt, wie sich diese Veränderungen auf unser Budget auswirken.