Chile 2021

Husky Farm

Taiga und Tundra
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unser Zuhause auf Zeit
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Rumo
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Taiga und Tundra
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Abenteuer Schlittenhunde

 

Als wir kurz vor dem Verschiffen waren, fragte uns jemand über Social Media, warum wir denn nach Chile verschiffen möchten, dann fahren wir ja dort in den Winter hinein. Die Frage liessen wir schlussendlich so stehen und natürlich hatte er recht, in den Winter hinein mit einem Motorrad ist nicht unbedingt das praktischste. Dennoch trifft einem der Winter als Weltreisende zwangsläufig irgendwann. Seit wir in Chile sind, überlegten wir uns immer wieder, wie wir den Winter verbringen möchten. Da das Land ja sehr lange ist wäre es eine Option gewesen in den warmen Norden zu gehen. Dort wäre es je nach Höhenlage ziemlich angenehm und wir hätten vom Winter gar nicht so viel mitbekommen. Auf Workaway hatten wir schon lange ein Inserat von einer Husky Farm ins Auge gefasst aber nie geschrieben, da uns sämtliche Winterkleider etc fehlen (und wir sie auch nicht kaufen wollen/ können). Und Motorräder und Winter sind ja auch nicht gerade die beste Kombi. Aber wie das Leben so spielt haben wir eines Morgens eine Nachricht von einer (anderen) Husky Farm auf workaway bekommen und nach einem kurzen Austausch mit Konrad (unserem Host) waren unsere Bedenken bezüglich Winterausrüstung und Motorräder schon bei Seite geräumt und es war eigentlich klar für uns, dass wir uns auf das Abenteuer Husky Farm und Hundeschlitten fahren im Schnee gerne einlassen möchten. Anstatt vor dem Winter davon zu fahren, entschieden wir uns für das Gegenteil, uns dem Winter zu stellen und etwas neues zu lernen! Also machten wir uns an einem super regnerischen Tag Ende Mai auf den Weg nach Villarrica im Süden von Chile, um dort den Winter zu verbringen.

 

Wir sind beide absolut keine Winterfans und auch mit den Wintersportarten in der Schweiz haben wir nicht viel am Hut. Dementsprechend waren wir grundsätzlich von uns selbst überrascht, dass wir diesem Projekt zugestimmt hatten und wir voller Vorfreude in den Winter starteten. Wir kamen Ende Mai in Villarrica an. Damit sollten wir genug Zeit haben, die 42 Hunde kennen zu lernen, damit es dann ab anfangs Juli mit dem Schlittenfahren los gehen konnte. In Villarrica selbst gibt es so gut wie keinen Schnee. Deshalb hat Konrad am Fusse des Vulkans Villarrica, auf dem Lavafeld eine Hütte, wo er mit seinen Hunden normalerweise ab anfangs Juli bis im September ist und von dort aus Schlitten Touren für Touristen (auroraaustral.com) anbietet. Die Hütte ist recht klein, gemütlich und natürlich weder mit fliessendem Wasser noch Strom ausgestattet. Wir fanden sie von Anfang an super und wir freuten uns sehr, als wir oben waren und alles für den Winter einrichten konnten. Nicht nur der Ausblick auf den Vulkan war atemberaubend, auch die Fahrt bis zur Hütte ist nur mit einem 4x4 Fahrzeug mit sehr viel Bodenfreiheit machbar. Die Fahrt hinauf ist eigentlich schon Abenteuer pur. Der Plan war, dass immer jemand auf der Hütte mit den Hunden bleibt, jemand zuhause mit den Welpen und den Senioren-Hunden und die anderen mit den Touristen hoch und runter fahren.

 

Der Alltag bei Konrad war super spannend. Wir versuchten so schnell wie möglich alle Namen von den über 40 Hunden zu lernen und sie natürlich aus auseinander zu halten. Dies ist vor allem bei den Sibirischen Huskys nicht ganz so einfach. Konrad hat drei verschiedene 'Rassen' von Schlittenhunden. Die Sibirischen Huskys, Alaska Huskys und Euro Hounds. Die Sibirischen Huskys sind die klassischen Huskys mit viel Fell, blauen oder mehrfarbigen Augen und meist schwarz/weiss oder grau. Die Alaska Huskys sind keine definierte Hunderasse, sondern immer eine Mischung zwischen einem Sibirischen Husky und einem anderen Hund. Meist mit einer eher sportlicheren und schnelleren Rasse. Jedoch weist der Alaska Husky noch viele typische Eigenschaften des Sibirischen Huskys auf und ist somit für den Schlittensport sehr gut geeignet. Auch mit den extrem kalten Temperaturen hat der Alaska Husky keine Probleme und kann auch gut im Schnee übernachten. Die Hounds sind der Ferrari unter den Schlittenhunden, die Konrad hat. Sie erinnern fast nicht mehr an Huskys, da sie eine Mischung sind zwischen Huskys und Sport- und Jagdhunden. Sie sind grösser, schlank, sehr kräftig und super schnell. Mit diesen Hunden nimmt Konrad an internationalen Hundesport Meisterschaften teil und er organisiert auch immer wieder welche in Chile.

 

Um alle Hunde fit zu halten, müssen sie regelmässig trainiert werden. Auch ohne Schnee gibt es viele verschiedenen Sportarten und Trainingsmöglichkeiten. Wir haben meistens mit einem Quad (4-rädriges Motorrad) trainiert. Da Konrad so viele Hunde hat, ist diese Trainingsmethode sehr effizient, da es viele Hunde braucht, um einen 300kg Quad zu ziehen. Wir spannten meist 10 Huskys an, welche den Quad ohne laufendem Motor zogen. Da alle Schlittenhunde schnell überhitzen ohne Schnee, konnten wir nur an kalten Tagen und auch dann nur am Morgen trainieren. Normalerweise machten wir eine Runde von ungefähr 5km. Wir drehten auch gerne mal eine Runde mit dem Scooter (Trotinett) mit 1-2 Hunden vorne dran. Es gibt aber auch weitere Disziplinen wie das Canicross (Rennen mit einem Hund der zieht), Bike-jöring (Mounainbike mit Hund) und noch einige andere Disziplinen.

 

Es ist super spannend und interessant mit Hunden zu trainieren. Gerade die Huskys fanden wir super, da sie extrem wild sind und wenn es ums Rennen geht, kann sie nichts mehr stoppen. Mit 10 Hunden an der Kette, bereit um vor den Quad gespannt zu werden, ist es unmöglich miteinander zu reden, da die Hunde völlig durchdrehen. Auch den 300kg Quad können sie mit angezogener Bremse ziehen. Im Gehege sind sie dann aber super kuschlig und holen sich gerne eine grosse Portion Liebe.

 

Alles war super, nur leider kam der Schnee einfach nicht... In den 15 Jahren in denen Konrad nun schon in Chile lebt, war der Schnee noch nie so später (oder gar nicht) gekommen. Wir sind speziell fürs Schlittenfahren im Schnee gekommen, aber ohne Schnee kann man nun einfach nicht Schlittenfahren. Also haben wir uns wohl oder übel anfangs August entschieden weiter zu ziehen. Wir liessen uns die Option noch offen, ob wir nochmals zurück gehen, falls der Schnee doch noch kommt.

 

Wir dürfen auf zwei spannende und sehr lehrreiche Monate zurück schauen, in denen wir viel über die Hundehaltung und natürlich im speziellen über die Huskys und den Hundesport lernen durften. Wir werden diese Zeit sicher als sehr positive Erfahrung in Erinnerung behalten.