Chile 2021

das grosse Warten

la linda loma

kleine Störung beim bauen

das morgentliche Nebelmeer

la linda loma

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6 Wochen sind lang, darauf hatten wir uns maximal eingestellt, 8 Wochen sind extrem lang, darauf hatten wir uns nicht eingestellt. Aber ändern konnten wir es nicht. Was macht man in 8 Wochen als Motorradreisende ohne Motorrad? Wahrscheinlich etwa das selbe, wie die Monate zuvor. Da hatten wir zwar unsere Motorränder, aber reisen konnten wir nicht. Also beschlossen wir auch dieses Mal uns auf Workaway (Webseite für freiwilligen Arbeit) schlau zu machen und einen tollen Ort zu finden, wo wir auf die Motorräder warten und uns währenddessen nützlich machen können.

Wir hatte grosses Glück, dass wir bei Nicolas und Angela gelandet sind. Nicolas ist halb Schweizer, halb Chilen und hat ein grosses Stück Land von seiner Familie übernommen, auf dem er sich einen Gästebetrieb aufgebaut hat. Das „Schmuckstück“ ist sicherlich seine Linda Loma (schöne Hügel), ein wunderschönes Haus aus Holz und Lehm gebaut mit vielen wundervollen Details. Dieses Haus hatte er mit vielen Helfern von Workaway gebaut. Wir bezogen den ehemaligen Stall, der mittlerweile auch umgebaut war zu einem kleinen Häuschen mit einem Schlafzimmer, einem Bad und einer Aussenküche. Wir fühlten uns von Anfang an super wohl. Nach der Quarantänezeit in Valparaiso tat die Natur einfach nur gut. Es war so beruhigend in der Hängematte zu liegen und die Ruhe der Natur zu spühren, während Luna, die Hündin angerannt kam um zu spielen. Nicolas fasste sehr schnell Vertrauen in uns und wir begannen Projekte zu planen und zu realisieren. Das Hauptprojekt war in 55m langer Gartenzaun um den Pool, um ihn kindersicher zu machen, damit León, der kleine Sohn nicht versehentlich im Pool landet. Wir konnten einen tollen naturbelassenen Zaun bauen und es tat wiedermal gut, körperlich zu arbeiten und draussen zu sein. Neben diesem Projekt bauten wir noch eine Pergola, diverse Bänke und Tische und arbeiteten viel an unserem kleinen Häuschen. Wir machten viele Kleinigkeiten wie Regale, Tablare, div. Halterungen für das Bad und stellten die Aussenküche fertig. Als wir ankamen, war alles noch recht improvisiert und vieles fehlte und am Schluss war es ein kleines gemütliches Zuhause. Uns gefiel es sehr gut. Auch die Zeit mit Nicolas und seiner Familie genossen wir sehr. Wir assen immer zusammen zu Mittag und wir hatten viele tolle Gespräche. Sie vertrauten uns ihr Grundstück an und nahmen sich 10 Tage wohl verdiente Ferien, während wir den Hunden und den Hühner schauten und weitere Projekte realisierten. Nach 5 Wochen war es dann Zeit für uns zu ziehen, da wir mit Louis abgemacht hatten, dass wir ihm bei seinem Projekt halfen. Nicolas hätte uns am liebsten behalten und er hat noch ein grosses und tolles Projekt offen, das wir vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch zusammen bauen können.

 

Während der Zeit bei Nicolas verschärfte sich in Chile die Corona Pandemie, sodass die Regierung beschloss, fast das ganze Land unter Quarantäne zu stellen. Nur mit Bewilligungen, die man im Internet lösen kann (nur 2 pro Woche pro Person), darf man das Haus verlassen um wichtige Besorgungen zu machen. Mit einer solchen Bewilligung fuhren wir in einem Taxi nach Casablanca, eine Kleinstadt, die zum Glück nahe genug war, damit man mit der Bewilligung dorthin kommt.

Mochi wartet

Endlich! Rino und seine Kiste!

Mochi wartet

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Bei Louis angekommen starteten wir unser nächstes Projekt, ein Schlafzimmer mit recycelten Materialien. Es schien ein einfaches Projekt zu sein, doch wir merkten schnell, dass wir alle drei viele Ideen haben und diese Ideen viel Zeit brauchen. Glücklicherweise ist Louis in Visionär mit vielen Ideen, die er selber als Schreiner gerne umsetzt.

Unser Projekt wurde am Anfang vom Thema Motorräder abholen und der dafür notwendige Papierkram überschattet. Leider klappte der Papierkram nicht so gut wie angenommen, da im Moment alle im Homeoffice sitzen und wir geschätzte 5 Agenten zwischen uns und unserem Agenten in Deutschland hatten und alle wollten Geld sehen. Durch die Zeitverschiebung zu Deutschland war die Kommunikation zwischen allen Beteiligten sehr schwierig und sobald ein Problem gelöst war, wurden wir weitergeleitet und das nächste wartete auf uns. Aber schlussendlich konnten wir mit Hilfe von unserem Agenten in Deutschland alles regeln und wir mussten nichts mehr bezahlen. Am Tag der Abholung mussten wir am Morgen für eine Sonderbewilligung (weil wir immer noch in Quarantäne waren) auf den Polizeiposten gehen. Glücklicherweise stellten sie uns ohne Probleme die Sonderbewilligung aus und am Mittag fuhren wir mit Louis los nach San Antonio, der grössten Hafenstadt in Chile. Unsere Motorräder sollten in einem Lager ausserhalb eintreffen. Vor Ort angekommen und nach der Gesundheitskontrolle konnten wir mit unserem Agenten rein und warteten, bis unser Container geöffnet und ausgeladen wurde. Und da endlich, waren unsere Kisten! Unbeschädigt standen sie im Container aufeinander. Der Stapelfahrer, der die Kisten auslud, freute sich mit uns und schon bald gesellten sich einige Arbeiter zu uns und halfen uns, beim entladen der Kisten und beim Zusammenbau der Motorräder. Der Papierkram schien sehr kompliziert zu sein, aber unser Agent vor Ort machte einen tollen Job und erledigte alles für uns, während wir unsere Motorräder startklar machten. Wir sammelten alle Schrauben, die wir für unsere Kisten gebraucht haben und luden auch die Platten bei Louis in seinen „Magic Van“, um sie für das Schlafzimmer als Boden zu verwenden. Es wäre ja schade darum gewesen, alles wegzuwerfen. Da es in Chile eigentlich nur die für uns uralten Philips-Kreuz-Schrauben gibt (diese gibt es seit 80 Jahren und sind nicht gerade anwenderfreundlich wenn man Torx kennt), waren wir mehr als froh, dass wir die Innenbeplankung des Schlafzimmers mit den guten Torx-Schrauben anschrauben konnten. Bei Louis stand noch eine alte Kawasaki KLR 650, die wir wieder startklar machten und so drehten wir zu dritt ein paar Runden (was natürlich eigentlich nicht erlaubt gewesen wäre wegen der Quarantäne). Auf dem Grundstück von Louis Vater konnten wir einen Motorradparcours aufstellen, um unser Feinhandling zu trainieren. Wo bekommt man schon das Areal und die Gelegenheit um ein wenig zu üben? Auch Louis fand seine Freude daran und übte fleissig mit der KLR. Auch das Schlafzimmer nahm langsam Form an und wir überlegten uns eine Wand- und Deckengestaltung. Louis kam mir der Idee Farbspritzer an die Wand und Decke zu machen. Wir waren sofort hell begeistert, da jeder oder zumindest wir als Kind immer mal schon so die Wände bemalen wollten. Nach der Grundierung war es soweit. Wir warfen Säckli gefüllt mit Farbe an die Wand, spritzten mit dem Pinsel, nahmen eine Handvoll und warfen sie oder wir füllten ein kleines Gefäss und warfen so die Farbe an die Wand. Auf jeden Fall hatten wir einen riesen Spass und der Raum ist definitiv einzigartig geworden. Nach 4 Wochen Arbeit war das Kunstwerk endlich vollbracht und wir bewunderten voller Stolz unser Werk. Es ist definitiv mehr als nur ein einfacher Raum, es ist mehr ein gemeinsames Kunstwerk, das die Schreinerfähigkeiten von uns allen gut zum Ausdruck bringt. Wir hoffen, dass viele Gäste sich darin wohl fühlen werden.