Chile 2021

Eigentlich wollten wir gar nicht nach Südamerika. Wir lieben Südamerika, zumindest das, was wir bis jetzt kennen, aber es war nie unser Ziel früh nach Südamerika zu gehen. Vielleicht am Ende der Reise oder vielleicht gar nicht. Das war der Plan vor Corona. Mittlerweilen wissen wir alle, wie eine solche Pandemie alles über den Haufen werfen kann.... so auch unsere Pläne. Wir hatten das Gefühl, dass wir Europa verlassen müssen. Nur wohin war die grosse Frage. Wir wurden offener für neue Ideen und setzten uns mit Regionen auseinander, die im Moment eigentlich nicht in Frage gekommen sind. Rational ist es für uns im Moment nicht mehr möglich Entscheidungen zu treffen. Und so hörten wir auf unser Bauchgefühl und entschieden uns nach vielen und langen Diskussionen für Chile.

Normalerweise wäre weder der Transport der Motorräder, noch die Reise für uns ein Problem. Nicht so während Corona-Zeiten. Hier haben wir euch eine Zusammenstellung von Fragen/ Themen gemacht, die uns während unsere Planungszeit (ca. eine Woche) beschäftigt haben.

 

Planung einer Verschiffung während Corona:

 

Wenn ein Ziel wie Chile im Raum steht, dann kommen zwangsläufig folgende zwei Grundfragen auf:

 

  • Wie komme ich nach Chile? Kann ich überhaupt nach Chile?

  • Wie kommt mein Motorrad nach Chile?

 

Zu Frage eins, wie wir nach Chile kommen, ist die Antwort relativ einfach, wenn man mal die passenden Richtlinien gefunden hat:

 

  • Einreise muss zwangsläufig über den Flughafen in Santiago de Chile erfolgen → machbar

  • Man darf vorher nicht in England gewesen sein → waren wir nicht

  • Man braucht einen PCR Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf → sollte machbar sein

  • Man braucht eine Krankenkasse, bei der man mehr als 30'000 Euro versichert ist und die auch Corona deckt → haben wir, müssen wir aber noch einen entsprechenden Nachweis beantragen

  • Ist der Flug bezahlbar → laut Internet ja

  • Fliegt der Flieger auch wirklich → sieht man, wenn man drin sitzt

  • man muss ein Gesundheitsformular ausfüllen → geht übers Internet, sollte also möglich sein

  • Man muss 10 Tage in Quarantäne → auch machbar, die Frage ist nur wo (darf man in einem Hostel oder muss man eine komplette Unterkunft mieten? Und was kosten die Unterkünfte?)

  • Brauche ich spezielle Dokumente oder Tests für im Land wo wir Transit bleiben werden? → meistens nicht, ansonsten braucht es einen PCR-Test, den wir haben

  • Was kann schlimmstenfalls schief gehen? → wir können nicht einreisen

 

Nun zur Frage zwei, wie die Motorräder nach Chile kommen. Diese Frage ist etwas schwieriger zu beantworten:

 

Es gibt grundsätzlich 4 Möglichkeiten für einen Motorrad Transport:

1. Verschiffung mit einem Sammelcontainer mit anderen Fahrzeugen

 

 

 

2. Verschiffung in einer Holzkiste

3. Containerschiff, das wie eine Fähre funktioniert, auf der wir auch mitfahren können.

4. Luftfracht mit dem Flugzeug

 

Die Antworten zu diesen Fragen findet man hauptsächlich Offerten von Verschiffungs-Agencys (wir haben sicher 8-10 Firmen angeschrieben) und im Internet.

 

Variante 1: Verschiffung mit einem Sammelcontainer

Dies ist die günstigste Variante im Moment. Sammelcontainer gibt es grundsätzlich in fast jedem Land. Also versuchten wir Reisegefährten zu finden, welche ihre Fahrzeuge mit uns transportieren lassen möchten. Wir hatten einige Interessenten, jedoch traute sich am Schluss nur jemand und zu dritt lohnt sich leider kein Container.

→ Fazit: funktioniert nicht für uns

 

Variante 2: Verschiffung in einer Holzkiste

Bei dieser Variante muss man das Motorrad in eine möglichst kleine Kiste packen, die dann in einen Container kommt und so verschifft wird. Problem bei dieser Variante ist der Bau der Kiste (das Holz muss den internationalen Transportanforderungen entsprechen) und wie die Kiste dann dorthin kommt wo sie muss (meistens Hamburg). Ab Italien gab es nur ein Unternehmen, dass uns eine solche Verschiffung offeriert hat, da aber keine Hafengebühren in Chile inkludiert waren (diese sind immer sehr hoch), wollten wir uns nicht darauf einlassen. Gute Angeboten bekamen wir hauptsächlich aus Deutschland.

→ Fazit: Ist eine Option, jedoch recht kompliziert

 

Variante 3: Containerschiff, das wie eine Fähre funktioniert, auf der wir auch mitfahren können

Dies war unser Favorit. Wir wollten schon lange einmal ein Weltmeer mit dem Schiff überqueren. Dies könnte unsere Möglichkeit sein! Die Kosten sind ok, 5'000Euro für zwei Personen und zwei Motorräder für ca. 3 Wochen Fahrt. Die Fähre fährt ab Rotterdam und man könnte in Montevideo aussteigen und die Motorräder abladen. Die nächste Fähre würde irgendwann im April fahren, was auch noch ok ist.

Ein Problem gibt es, man kann nicht nach Uruguay einreisen wegen Corona und in 3 Wochen Schifffahrt kann sich sehr viel ändern, was die Einreisebestimmungen angehen

→ Fazit: da wir nicht auf etwas warten und hoffen möchten, kommt diese Variante leider nicht in Frage

 

Variante 4: Luftfracht mit dem Flugzeug

Dies wäre die angenehmste Variante ohne grosse Wartezeiten. Jedoch war nach einer Offerte war klar, wir können den aktuell horrenden Preis von mind. 5000 Euro pro Motorrad nicht bezahlen

→ Fazit: zu teuer

 

Unsere einzige Möglichkeit war also Variante 2, Verschiffung in Holzkisten ab Deutschland. Nun stellten sich neue Fragen:

  • Wo können wir die Kisten bauen?

  • Aus welchem Material können wir die Kisten bauen, damit sie für den internationalen Transport geeignet sind?

  • Wie kommen die Kisten nach Deutschland?

  • Wie lange brauchen wir dafür?

  • Etc.

 

Der Transport der Kisten von Italien nach Deutschland ist recht teuer. Wir überlegten uns, die Kisten in Deutschland zu bauen. Dies ist grundsätzlich kein Problem, aber wenn wir nach Deutschland einreisen möchten, brauchen wir einen Coronatest und müssen 10 Tage in Quarantäne. Wieder ein hoher Kostenpunkt, da wir eine Unterkunft bräuchten, jedoch herrscht in Deutschland ein Beherbergungsverbot. Deshalb war die einzig sinnvolle Variante, in die Schweiz zurück zu fahren und bei Marinas Vater (er hat eine Schreinerei) die Kisten zu bauen. In die Schweiz zu fahren, sollte als Schweizer/in kein Problem darstellen. Als Material kommen nur OSB Platten in Frage, ansonsten müsste man die Kisten zertifizieren lassen (ist kompliziert, vorallem während Corona). Mit einem Transporter sollte man die Kisten nach Deutschland bringen können (ist das so legal oder braucht man spezielle Dokumente?). Die Einreise für Schweizer nach Deutschland ist möglich, wenn man sich nur 24 Stunden in Deutschland aufhält. Dementsprechend sollte auch dies möglich sein.

 

Wir machten uns noch Gedanken zum Timing. Falls die Motorräder auf dem Weg nach Chile sind und wir nicht mehr einreisen dürfen, hätten wir ein riesiges Problem. Dementsprechend entschieden wir uns, zuerst nach Chile zu fliegen und erst dann die Motorräder auf den Weg zu schicken, wenn wir dort sind.

 

Der Plan stand und nun musste er nur noch umgesetzt werden. Wir nahmen uns insgesamt eine Woche Zeit um von Sizilien loszufahren (mit der Fähre nach Genua), die Kisten zu bauen und sie nach Deutschland zu bringen. Da sich sämtliche Bestimmungen (und wir waren abhängig von einigen) schnell ändern können, wollten wir unser Plan so schnell wie möglich umsetzen, solange es noch machbar ist. Glücklicherweise klappte alles und in Valparaíso in Chile angekommen, konnten wir das Ok für die Verschiffung der Motorränder geben und uns in unsere Quarantäne begeben. Dann müssen wir nur noch ca. 6 Wochen auf die Motorräder warten.

 

Fazit: Während Corona eine solche Verschiffung zu planen und durchzuführen ist durchaus möglich. Es erfordert aber viel Recherche und man hat keine Zeit zu warten, da sich alle Bestimmungen jederzeit ändern können. Wir haben Stunden (oder besser Tage) am PC verbracht, Offerten eingeholt, Bestimmungen gesucht und verglichen, Nachrichten geschaut, Zahlen und Tabellen studiert, etc. Der Aufwand ist enorm aber es ist möglich!

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