Argentinien 2022

2 das berühmte Patagonien

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Nach unserem spontanen Entschluss, nicht weiter in den Süden zu fahren, entschieden wir uns, die nächste Abzweigung Richtung Atlantikküste zu nehmen. Und so fanden wir uns in Sarmiento, einer Kleinstadt mitten in Argentinien im 'Parque del bosque petrificado' wieder. Da es sich um einen Regionalpark und nicht Nationalpark handelte, kostete der Eintritt nur doppelt so viel wie für Argentinier. Der Park erstaunte uns in mehrerer Hinsicht, landschaftlich, wie natürlich der versteinerte Wald selbst. Landschaftlich sah es aus wie in San Pedro de Atacama, der Wüstenstadt im Norden Chiles, wo wir über zwei Monate waren und die 3'500km weiter im Norden liegt. Der versteinerte Wald besteht aus vielen Baumstämmen, die rund 60'000 Jahre alt sind und eben versteinert sind. Das interessante war, dass sie aussehen wie etwas morsches Holz und man dann erstaunt ist, wenn man sie anfassen kann und merkt, dass es Stein ist. Auch liegen überall versteinerte Holzschnitzel, die wir aus dem Gemüsegarten kennen, aber eben in versteinerter Version.

Danach ging es weiter an die Atlantikküste, wo wir unbedingt Pinguine, Seelöwen und Seelefanten sehen wollten. Wie überall kann man diese Tiere natürlich mit hunderten von Touristen in Nationalparks besuchen. Da wir uns aber bewusst dagegen entschieden haben solche Orte zu besuchen, suchten und fanden wir andere Orte, an denen wir die Tiere viel freier und ohne Besucher rundherum sehen konnten. Die Pinguine konnten wir in einem kleinen Park besuchen, wo es hunderte von Magellanpinguinen hat, die dort genistet haben. Als Besucher durfte man sich nur auf einem Steg aufhalten, den die Pinguine überhaupt nicht gestört hat. Sie haben direkt darunter geschlafen und genistet und auf ihrem Weg ans Meer watschelten sie fröhlich unten durch. Es war eine grosse Freude so viele Pinguine auf einem Haufen und so nahe zu sehen. Bei einer Mate-Pause wenig später tauchte Freddy das neugierige Gürteltier auf und wir hatten grosse Freude an ihm. Auch die Seelöwen Kolonien waren immer wieder ein Erlebnis. Die erste kleine Kolonie haben wir direkt neben der Hauptstrasse am Strand gesehen. Es langen mehrere Dutzend Seelöwen da und man konnte richtig nah hingehen, ohne dass sie reagiert haben. Anders war dies an einem sehr abgelegenen Ort, wo wir zuerst zwei Stunden zu Fuss durch das patagonische Nichts hingehen mussten. Dort haben die Seelöwen von Weitem auf uns reagiert und wir konnten nicht zu nahe hin gehen. Da es aber mehrere hundert Tiere waren, war dies spektakulär. Wir sassen lange dort und haben die Tiere beobachtet. Unter ihnen waren auch einige wenige Seelefanten Weibchen. Den Unterschied dieser Tiere zu beobachten fanden wir sehr spannend. Die Seelöwen bewegen sich schon fast elegant an Land verglichen mit den Seelefanten. Diese schwabbeln über den Strand und wirken extrem plump. Durch die runden Kugelaugen haben sie aber irgendwie etwas süsses an sich. Wir fanden die Tiere super! Neben den Seelöwen und Elefanten nisteten noch hunderte von Möwen und kleine, graue Flauschebällchen standen überall herum.

Der Begriff Patagonien bekam für uns erst an der Küste eine richtige Bedeutung. Das Klima wurde immer rauer und die Landschaft kahler. Auch wurde der berühmt berüchtigte patagonische Wind immer stärker, der Böen bis zu 180km/h annehmen kann. An der Küste gab es Moment in denen der Wind mit starken Böen vom Landesinneren aufs Meer hinaus pustete und einen Moment später drehte sich der Wind und man bekam die kalte Meeresluft ins Gesicht, die stark von der Antarktis geprägt ist. Wir hatten viel Wind und doch hatten wir Glück, keine dieser extrem gefährlichen Tage zu haben, an denen man das Motorrad nicht am Strassenrand abstellen kann, ohne dass es vom Wind um geblasen wird. Und doch gab es einige Tage, an denen wir ständig in Schräglage fuhren, um geradeaus zu kommen und abends Nackenstarre hatten, da wir mit dem Kopf immer gegen den Wind halten mussten. Abgesehen davon ist das Fahren sehr anstrengend und auch gefährlich, da entgegenkommende Lastwagen, den Wind abschneiden, sich das Motorrad wieder gerade stellt und man wieder von einer Windböe gepackt wird, sobald das Ende des Lastwagens erreicht wird und man so wieder in die Schräglage gedrückt wird. Bei mehreren Lastwagen hinter einander kann dies sehr gefährlich werden. Und leider hörte dieser Wind auch abends und nachts nicht auf. Im Gegenteil. Wir begannen ohne Zelt zu schlafen, da das ständige Rütteln am Zeltstoff uns den Schlaf geraubt hat. Wir bauten mit den Motorrädern eine Burg und schirmten den Wind mit unserem Gepäck ab. Nur leider wechselte der Wind gerne seine Richtung, sodass wir mitten in der Nacht die Motorräder umstellen mussten, um nicht im Wind zu liegen und ständig Sand ins Gesicht zu bekommen. Eines Tages, wir hatten uns eine Lagune um zu übernachten ausgesucht und hofften auf eine ruhige Nacht in den Hängematten, bahnte sich spät abends ein starkes Gewitter an. Bis zum Schluss hofften wir, dass es vorbei ziehen würde, aber leider sassen wir es unter dem Tarp aus und stellten mitten in der Nacht das Zelt auf, damit wir doch noch trocken schlafen konnten. Nach mehreren Wochen ohne eine Nacht gut zu schlafen wegen dem Wind, hatten wir keine Lust mehr. Wir zelten ja wirklich gerne, aber irgendwann war es dann aber auch für uns genug. Ich versuchte schon beim Morgenkaffe eine Cabaña für uns zu organisieren, wo wir uns für einige Tage entspannen und ausschlafen konnten. Und zum Glück wurde ich auch sehr schnell fündig und fand an der selben Lagune, keine 3km weiter weg eine günstige Cabaña, die trotz Hochsaison frei war. Eine halbe Stunde später hatten wir den Schlüssel, packten alles zusammen und genossen 3 Tage im Bett.

Danach ging es relativ zügig weiter zu unserem Workaway-Gastgeber Mateo in der Nähe von Mar del Plata, der bekanntesten Stadt Argentiniens für ihre Badestrände. Während dem Austauschjahr hatte ich viel von dieser Stadt gehört, da viele dorthin in die Ferien fuhren, war aber selber noch nie dort gewesen. Wir hatten das Glück eher Ende der Sommersaison dort zu sein, da wir sonst wahrscheinlich sofort wieder hinaus gefahren wären. Noch immer empfanden wir, dass es viele Touristen an den Stränden hatte, aber alle erzählten uns, wie es einen Monat vorher während der Hauptsaison war. Auch hatten wir Glück, dass meine Gasteltern dieses Jahr ihre Ferien verlängert hatten und etwas länger in Mar del Plata blieben, sodass wir sie besuchen konnten. Die Strände in Mar del Plata sind in Privatbereiche, die gemietet werden können und öffentliche Bereiche eingeteilt. Die Privatbereiche bestehen aus unzähligen, etwa 2x2m grossen Zelten, die man mieten kann. Auch meine Gasteltern mieteten jedes Jahr eines dieser Zelte und so verbrachten wir einen Tag mit ihnen im Privatbereich mit Aussicht aufs Meer und den öffentlichen Strand. Wir haben es nicht so mit Strandbesuchen und uns ist eigentlich nach ein paar Stunden am Strand liegen langweilig, aber wir fanden es mal sehr amüsant, einen Tag lang in diesem Privatbereich zu sein und so eine andere Seite von Strandurlaub anschauen zu können.

Unsere Hauptaufgabe war es aber Mateo bei seinem Projekt zu helfen. Er war mitten in den letzten Verhandlungen für den Kauf eines Grundstücks in Chapadmalal, einem Ort ca 25km von Mar del Plata. Sein langfristiges Ziel ist es, ein Hostel zu errichten in Lehmbauweise. Vorerst hatte er sich eine Holzhütte errichtet, mit einer Küche, einem grossen Tisch und einem Schlafbereich für ihn. Wir Helfer schliefen in Zelten draussen und kochten gemeinsam. Da er wegen Formalitäten noch nicht rechtmässiger Besitzer des Grundstücks war, begannen wir mit eher kleineren Arbeiten und noch nicht mit dem Bau des Hostels. So konnten wir ihn bei der Installation eines Solartankes unterstützen, bauten einen Hühnerstall und Fenster und buddelten eine Drainage für das Abwasser seiner Hütte. Mateo war der entspannteste Workaway-Gastgeber, den wir bis jetzt hatten. Wir hatten weder fixe Arbeitszeiten, noch Projekte, die erledigt werden konnten. Wir arbeiteten wann wir Lust hatten und konnten auch einige Dinge selber anreissen.

Nach über zwei Wochen war es dann auch Zeit für uns weiter zu ziehen. Wir wurden rund 400km weiter nördlich in der Stadt Buenos Aires bereits erwartet.